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Akademie · Stufe 1

Die Begriffe, die du wirklich brauchst

Stufe 1 · Kapitel 4 · Lesezeit ca. 5 Minuten

Von der Handlung zu den Vokabeln

In Kapitel 3 hast du gesehen: Ein Chat antwortet, ein Agent tut. Damit ein Agent wirklich etwas erledigt, tauchen ein paar Begriffe auf, die im Gespräch mit Anbietern und Kollegen immer wieder fallen. Du musst sie nicht programmieren können. Du musst nur wissen, was sie bedeuten, damit dir keiner ein X für ein U verkauft. Keiner davon ist Raketentechnik, jeder lässt sich in einem Bild aus deinem Alltag fassen. Hier sind die sieben, die zählen.

Token und Kontextfenster: die Währung und der Tresen

Eine KI liest Text nicht Wort für Wort, sondern in kleinen Häppchen. So ein Häppchen heißt Token, mal ein ganzes Wort, mal nur ein Wortteil. Faustregel: Im Deutschen ist ein Token grob ein halbes Wort. Wichtig für dich: Abgerechnet wird meistens nach Token. Mehr Text rein und raus heißt mehr Kosten. Token sind die Währung der KI.

Jedes Modell kann nur eine bestimmte Menge Token auf einmal überblicken. Diese Grenze heißt Kontextfenster. Stell es dir wie den Platz auf dem Tresen vor: Da passt eine Menge drauf, aber nicht unbegrenzt. Legst du das komplette dicke Handbuch hin, ist kein Platz mehr für die eigentliche Frage. Deshalb passt ein zu langes Dokument irgendwann „nicht mehr rein", und du gibst der KI besser nur die Seiten, die zählen.

RAG: nachschlagen statt raten

In Kapitel 2 kam die Halluzination vor: Die KI erfindet mit Überzeugung Quatsch, weil sie Wahrscheinlichkeiten berechnet, statt Fakten abzurufen. RAG ist das Gegenmittel. Der Name ist egal, das Bild zählt: eine Prüfung auswendig bestehen gegen eine Prüfung mit Nachschlagewerk auf dem Tisch. RAG gibt der KI vor dem Antworten Zugriff auf eine echte Quelle, deine Firmendokumente, ein Handbuch, das aktuelle Internet. Sie schlägt nach, dann antwortet sie. Wenn ChatGPT für dich googelt, ist das im Prinzip schon RAG. Fast jedes ernst zu nehmende KI-Produkt nutzt es.

System-Prompt: die Einarbeitung des Neuen

Den normalen Prompt kennst du aus Kapitel 3: deine einzelne Nachricht an die KI. Der System-Prompt ist etwas anderes. Er ist die unsichtbare Grundanweisung davor, die das Verhalten dauerhaft festlegt. Das beste Bild ist die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters: „Du antwortest freundlich, auf Deutsch, gibst nie Rabatt über zehn Prozent ohne Rückfrage." Das sagst du einmal, und es gilt für jedes Gespräch. Der normale Prompt ist die einzelne Aufgabe von heute, der System-Prompt ist die Hausordnung.

MCP: der USB-C fürs Andocken

Ein Agent wird erst nützlich, wenn er an deine Werkzeuge kommt: Kalender, Mail, Ablage. Früher brauchte jede Verbindung ihre eigene Bastelei, so wie früher jedes Gerät seinen eigenen Stecker hatte. MCP ist das USB-C dafür: ein Standard, über den sich eine KI an Tools und Datenquellen andockt, ohne dass man jede Anbindung einzeln programmiert. Das Kürzel musst du dir nicht merken. Merk dir das Bild vom Stecker, der überall passt.

Klein oder Spitze, offen oder zu

Nicht jede Aufgabe braucht das stärkste Modell. Ein SLM ist ein kleines, schnelles, günstiges Modell, gut genug für Routine wie eine Standardantwort an der Info-Hotline. Ein Frontier Model ist das Spitzenmodell, das gerade technisch möglich ist, teuer, aber stark bei Strategie und kniffligen Analysen. Wie beim Fahrzeug: Für die tägliche Runde reicht der Kleinwagen, den Sattelzug nimmst du nur, wenn wirklich Last drauf ist. Wer für jede Kleinigkeit das teuerste Modell anwirft, verbrennt Geld.

Zum Schluss Open Source gegen Closed Source. Closed Source heißt, der Bauplan bleibt beim Hersteller. Du nutzt das Tool bequem, weißt aber nicht genau, was innen passiert. Open Source heißt, Modell und Code sind offen, du kannst sie auf eigenen Servern betreiben. Mehr Kontrolle, mehr Aufwand. Für sensible Kundendaten kann Open Source auf dem eigenen Server die sichere Wahl sein. Muss es nur schnell gehen, ist Closed Source bequemer. Mehr dazu in Kapitel 6.

Das Wichtigste: Sieben Begriffe reichen fürs Erste: Token (die Währung), Kontextfenster (der Platz auf dem Tresen), RAG (Nachschlagen gegen Halluzination), System-Prompt (die Einarbeitung des Neuen), MCP (USB-C fürs Andocken), SLM gegen Frontier (Kleinwagen gegen Sattelzug) und Open gegen Closed Source (Bauplan offen oder beim Hersteller). Du musst sie nicht bauen, nur einordnen, damit du führst und nicht der Anbieter.
Aus der Praxis
Autohof, ein Neuer fragt sich durch die erste Schicht: Wie läuft die Übergabe, was steht im Schichtbuch, was sagt das Shell-Handbuch zur Reklamation? Übertrag das auf die KI. Das Kontextfenster ist der Platz auf dem Tresen: Legst du das ganze dicke Handbuch hin, ist kein Platz mehr für die Frage, also gibst du nur die zwei relevanten Seiten. RAG ist das Nachschlagen: Statt die KI aus dem Gedächtnis raten zu lassen, gibst du ihr das aktuelle Shell-Handbuch zum Nachschlagen, dann stimmt die Antwort, statt dass sie halluziniert. Und der System-Prompt ist die Einarbeitung des Neuen: „Du antwortest freundlich, gibst nie Rabatt über X ohne Rückfrage" gilt ab dann für jede Schicht, ohne dass du es jedes Mal neu sagst.

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