Aufträge klar formulieren
Stufe 2 · Kapitel 2 · Lesezeit ca. 4 Minuten
Im ersten Kapitel dieser Stufe hast du die Haltung gelernt: Behandle die KI wie einen neuen Mitarbeiter, nicht wie eine Maschine, und wende deine Führungserfahrung an. Jetzt kommt der erste konkrete Handgriff dieser Führung. Denn auch der beste Mitarbeiter kann nur liefern, was du klar beauftragst. Ein vager Auftrag bringt ein vages Ergebnis, bei Menschen wie bei der KI. Dieses Kapitel zeigt dir, wie ein guter Auftrag aussieht.
Die vier Teile eines Auftrags
Ein brauchbarer Auftrag hat vier Teile. Erstens das Ziel: Was soll am Ende herauskommen? Zweitens der Kontext: Was muss die KI über deine Situation wissen, um es zu treffen? Drittens die Grenzen: Was darf sie nicht, wo muss sie vorher fragen? Und viertens das Format: Wie soll das Ergebnis aussehen, halbe Seite oder Tabelle, in welchem Ton?
Fehlt einer dieser vier Teile, füllt die KI die Lücke selbst, und zwar mit dem, was im Schnitt am wahrscheinlichsten passt. Das ist selten das, was du im Kopf hattest. Denk an einen neuen Kollegen, dem du im Vorbeigehen zurufst „Mach mal was für die Spedition". Er wird irgendetwas machen. Ob es passt, ist Zufall. Gibst du ihm dagegen Ziel, Kontext, Grenzen und Format, sitzt die Sache oft schon beim ersten Versuch. Diese vier Teile sind keine Technik, sie sind das, was du einer neuen Aushilfe sowieso mitgeben würdest.
Messbar und klein
Ein gutes Ziel ist messbar. Das heißt: so formuliert, dass die KI selbst beurteilen kann, ob sie fertig ist, und du hinterher prüfen kannst, ob sie es getroffen hat. „Ein Anschreiben, das zum Rückruf einlädt" ist messbar. „Kümmer dich um den Vertrieb" ist es nicht. Christoph Magnussen hat das an sich selbst getestet: Sein Auftrag „bau mir meine Website neu" lief nach seiner eigenen Schilderung rund zwanzig Stunden und lieferte am Ende nicht, was er wollte. Das Ziel war zu weit gefasst.
Die Lehre daraus: Teile große Ziele in kleine, messbare Unterziele. Nicht „kümmer dich um den Vertrieb", sondern „schreib das Anschreiben an diesen einen Flottenkunden". Klein und klar schlägt groß und vage. Ein kleiner Auftrag ist auch schneller geprüft und schneller korrigiert, wenn etwas schiefläuft. So bleibst du im Takt Mensch, KI, Mensch, statt eine Nacht lang ins Leere laufen zu lassen.
Das Interview-Prinzip
Der stärkste Trick kostet dich einen einzigen Satz. Statt die KI raten zu lassen, was ihr fehlt, lässt du sie fragen. Häng an deinen Auftrag den Satz an: „Frag mich vorher, was du noch wissen musst." Dann legt die KI nicht sofort los, sondern stellt dir zwei, drei Rückfragen. Du beantwortest sie, und erst dann schreibt sie.
Das ist das Interview-Prinzip. Es dreht die Reihenfolge um. Normalerweise schreibt die KI etwas, du merkst, was fehlt, korrigierst, sie schreibt neu, und so drei-, viermal. Mit dem Interview klärt ihr das Fehlende vorher in einem Rutsch. Genau das würdest du bei einem Menschen auch schätzen: Ein guter Mitarbeiter fragt nach, bevor er in die falsche Richtung losrennt.
Sag genau, was du willst
Dahinter steckt ein Bild, das du aus Stufe 1 kennst: Nebel rein, Nebel raus. Was du unklar hineingibst, kommt unklar wieder heraus, nur schneller. Ein vages Ziel produziert kein zufällig gutes Ergebnis, es produziert ein absurdes. Sag der KI „mach den Text so kurz wie möglich", und sie streicht auch das Wichtige mit weg, denn der leere Text ist am kürzesten. Nicht aus Bosheit, sondern weil sie genau das tut, was dasteht.
Die Konsequenz ist unbequem, aber einfach: Die Denkarbeit, klar zu sagen, was du willst, nimmt dir keine KI ab. Sie ist der eigentliche Führungsanteil. Wer „mach mal" sagt, bekommt Nebel. Wer genau sagt, was er will, bekommt einen brauchbaren ersten Entwurf. Und das ist keine Technik, das ist Klartext, wie du ihn deinen Leuten gegenüber auch triffst.
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