CLAUDE.md: dein Betrieb im Kopf des Systems
Stufe 3 · Kapitel 4 · Lesezeit ca. 6 Minuten
Vom Dialog zur dauerhaften Einarbeitung
In Kapitel 3 hast du gelernt, im Dialog zu arbeiten: sagen, sehen, nachbessern, freigeben. Das funktioniert gut für die einzelne Aufgabe. Aber dir ist dabei sicher aufgefallen, dass du immer wieder dasselbe erklärst, welche Marke du führst, wie du klingen willst, was du nie tust. Genau das nehmen wir jetzt ab. Erinnerst du dich an die Personalakte aus Stufe 2, den System-Prompt als Einarbeitung deines KI-Mitarbeiters? In Stufe 2 war das ein gedankliches Modell. In diesem Kapitel wird sie eine echte Datei, die Claude Code bei jeder Aufgabe im Kopf hat: die CLAUDE.md.
Eine schlichte Textdatei, mehr nicht
Lass dich vom Namen nicht abschrecken. Die CLAUDE.md ist eine ganz normale Textdatei, die jeder Mensch öffnen und lesen kann. Das „md" am Ende steht nur für Markdown, eine schlichte Art, Text mit Überschriften und Aufzählungen zu schreiben, ohne dass du irgendetwas programmieren musst. Stell sie dir vor wie den Aushang im Sozialraum, den jeder neue Mitarbeiter zuerst liest. Der Unterschied zum Dialog von gestern: Was im Dialog steht, gilt nur für diese eine Unterhaltung. Was in der CLAUDE.md steht, gilt immer, ohne dass du es je wieder sagen musst.
Was hineingehört
Vier Dinge gehören da rein, kurz und klar, kein Roman. Erstens: wer du bist und was dein Betrieb ist. Zweitens: deine Regeln, die festen Vorgaben, an die sich jeder halten muss. Drittens: dein Ton, wie es klingen soll. Viertens: deine No-Gos, was nie passieren darf. Ein Beispiel, wie schlicht das aussehen kann:
- Ich betreibe eine Autohof-Tankstelle mit Shop und Bistro.
- Ton: nüchtern und bodenständig, kein Werbe-Sprech.
- Preise nie ohne meine Rücksprache über eine Grenze hebeln.
- Nie „hausgemacht" schreiben, wo nichts hausgemacht ist.
Mehr braucht es am Anfang nicht. Denk an die Erfahrung von Dominic von Proeck (Leaders of AI) aus der Praxis: Eine gute Personalakte besteht aus expliziten Regeln und klaren No-Go-Listen. Und sie muss nicht lang sein, um zu wirken. Kurz und klar schlägt Handbuch. Schreib das Wesentliche hin, nicht alles.
Warum das den Unterschied macht
Ohne diese Datei fängt jede Aufgabe bei null an. Ein Spitzenmodell hat halb das Internet gelesen, deinen Laden hat es nie betreten. Sein Ergebnis besteht immer aus zwei Teilen: aus der Intelligenz des Modells und aus dem Kontext, den du gibst. Fehlt der Kontext, bleibt das Ergebnis generisch, es passt für irgendeinen Betrieb, nur nicht für deinen. Huet aus dem Maschinenraum von OpenAI bringt es mit dem Bild vom „Chief of Staff um sieben Uhr", also wie ein Büroleiter, der dir morgens die Lage zusammenfasst, auf den Punkt: Der Morgenreport funktioniert nicht wegen roher Rechenkraft, sondern weil das Modell den Kontext hat, deinen Schreibstil, deine Prioritäten, deine Dokumente. Genau dieser Kontext steht bei dir künftig in der CLAUDE.md.
Sie wächst mit jeder Korrektur
Das Beste kommt zum Schluss: Diese Datei ist nicht in Stein gemeißelt. Sie wächst mit dir. Jedes Mal, wenn du eine Korrektur zum zweiten Mal geben musst, schreibst du die Regel einmal in die CLAUDE.md und musst sie nie wieder sagen. Ab dann sitzt sie. So wird aus lästiger Wiederholung ein System, das dich immer besser kennt. Das ist das Codifizieren von Wissen, von dem Garrit Wilson spricht: Was sonst nur in deinem Kopf steckt, wandert ins System und bleibt dort.
Eine allgemeine Ebene, eine pro Projekt
Eine Sache noch, ohne dass du dich in Technik verlierst. Es gibt zwei Ebenen. Eine allgemeine CLAUDE.md gilt immer und überall, egal woran du gerade arbeitest, das ist dein Grundgerüst, wer du bist und wie du tickst. Und für einzelne Projekte kannst du eine eigene daneben legen, die nur dort greift und die besonderen Regeln dieses einen Vorhabens ergänzt. Bild dazu: der allgemeine Aushang im Sozialraum gilt für alle, der Zettel an der Kaffeemaschine im Bistro gilt nur fürs Bistro. Mehr musst du fürs Erste nicht wissen.
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