Skills: Wiederkehrendes einmal beibringen
Stufe 3 · Kapitel 5 · Lesezeit ca. 7 Minuten
In Kapitel 4 hast du deinem System eine CLAUDE.md gegeben: die Datei, die sagt, wer du bist und wie dein Betrieb tickt. Das ist das Dauer-Wissen, das bei jeder Aufgabe im Kopf steckt. Jetzt kommt die andere Hälfte. Die CLAUDE.md beschreibt, wer du bist. Ein Skill beschreibt, wie ein einzelner Handgriff geht. Beides zusammen macht aus einem klugen Werkzeug einen, der deinen Alltag wirklich kennt.
Ein Skill ist nur ein Zettel mit einer Anleitung
Lass dich vom Wort nicht einschüchtern. Ein Skill ist keine Software, die du programmierst, und nichts, wofür du eine Schulung brauchst. Ein Skill ist eine schlichte Textdatei mit einer Anleitung für einen wiederkehrenden Handgriff. Genau wie der laminierte Zettel neben der Kaffeemaschine, auf dem steht, wie man den Milchschäumer richtig reinigt. Wer ihn braucht, nimmt ihn zur Hand. Wer ihn nicht braucht, lässt ihn hängen.
Der Clou ist der Auslöser. Ein Skill liegt nicht ständig im Weg, sondern greift genau dann, wenn seine Aufgabe dran ist. Du sagst „mach die Wochenauswertung", und Claude Code erkennt: dafür gibt es einen Skill, holt ihn hervor und arbeitet ihn ab. Diesen Auslöser nennt man Trigger. Du musst nicht wissen, in welcher Datei die Anleitung steht oder wie sie heißt. Du sagst auf Deutsch, was du willst, und der passende Handgriff kommt von selbst.
Klein reicht: Matt Pococks „grill-me"
Der beste Beweis, dass ein Skill nicht groß sein muss, kommt von Matt Pocock, einem bekannten Entwickler in der Claude-Welt. Sein Skill heißt „grill-me" und ist keine zehn Zeilen lang. Er tut nur eine Sache: Bevor die KI drauflos baut, dreht sie den Spieß um und grillt dich mit Fragen. Was genau soll rauskommen? Für wen? Woran merkst du, dass es fertig ist? Erst wenn das geklärt ist, fängt sie an.
Winzig, und trotzdem ein großer Hebel. Denn das ist genau das Interview-Prinzip aus Stufe 2, nur diesmal als abrufbarer Handgriff. Statt dass die KI aus einem halben Satz das Falsche zusammenrät und du hinterher alles korrigierst, holt sie sich vorab, was ihr fehlt. Zehn Zeilen Anleitung sparen dir eine Stunde Nacharbeit. So sehen gute Skills oft aus: kein Monster-Werk, sondern ein kurzer, kluger Handgriff, der immer gleich sitzt. „grill-me" ist Pococks Beispiel, kein Standard, den du übernehmen musst. Er zeigt nur, wie wenig es braucht.
Welche deiner Routinen wird der erste Skill
Die Frage ist nicht „welchen tollen Skill könnte ich bauen", sondern „was erkläre ich der KI schon zum dritten Mal auf die gleiche Art". Genau das ist dein erster Kandidat. Jede Routine, die immer nach demselben Muster läuft, ist ein Skill, der nur noch nicht aufgeschrieben ist.
Und du musst ihn nicht selbst tippen. Der einfachste Weg: Du machst die Auswertung einmal ganz normal im Dialog, steuerst nach, bis sie sitzt, und sagst dann „schreib mir daraus einen Skill, damit ich das nächste Mal nur noch den Namen sagen muss". Das Werkzeug gießt den Ablauf, den ihr gerade zusammen gegangen seid, in eine kurze Anleitung. Ab dann ist aus einem einmaligen Gespräch ein wiederholbarer Handgriff geworden. Christoph Magnussen nennt dieselbe Idee „Record and Replay": Ein Prozess, den du einmal von Hand machst, wird zu etwas, das sich auf Zuruf wiederholt.
Fang mit einem an. Nicht mit zehn. Der Skill, der dir diese Woche am meisten Tipperei erspart, ist der richtige erste.
Skill oder CLAUDE.md: die einfache Trennlinie
Beides sind Textdateien, beides bringt der KI etwas bei, und trotzdem gehören sie nicht in denselben Topf. Die Trennlinie ist leicht zu merken. In die CLAUDE.md gehört Dauer-Wissen, das immer gilt, egal was du gerade tust: wer du bist, welche Marke du führst, dein Ton, deine No-Gos. Das steckt bei jeder Aufgabe im Kopf. Ein Skill dagegen ist ein Handgriff für eine bestimmte Aufgabe, der nur hervorgeholt wird, wenn diese Aufgabe dran ist. Er liegt still, bis sein Trigger kommt.
Faustregel: Was für jede Antwort gelten soll, ist CLAUDE.md. Was nur die Wochenauswertung oder das Angebot betrifft, ist ein Skill. Verwechselst du das und packst jeden Handgriff in die CLAUDE.md, wird sie zum Roman, den keiner mehr überblickt. Trennst du sauber, bleibt die CLAUDE.md kurz und deine Skills scharf.
Am Autohof machst du jede Woche dieselbe Stellplatz-Auswertung: Wie voll waren die LKW-Plätze, wo wurde es abends eng, haben sich die Nächte fürs Personal verschoben? Am Anfang erklärst du der KI das jedes Mal neu, welche Zahlen aus den Schrankenzählern, welche Form, worauf sie achten soll. Reine Wiederholung.
Also ziehst du es einmal sauber im Dialog durch und sagst dann: „Schreib mir daraus einen Skill." Jetzt sagst du nur noch „mach die Stellplatz-Auswertung", und der Handgriff sitzt, jede Woche gleich. In die CLAUDE.md gehört das nicht, denn das betrifft nur diese eine Aufgabe. Dort steht, wer dein Betrieb ist. Der Skill ist der Handgriff, der geholt wird, wenn er dran ist. Kleiner Zettel, große Ruhe.
Dein-Weg-Akademie